Pferdefütterung - Artgerecht, naturnahe Pferdefütterung ist ein grosses Thema in der Pferdewelt.

Aktualisiert: 13. März

Schauen wir doch mal genauer hin:

Pferd ist doch gleich Pferd!? Egal welche Rasse und Grösse, die haben doch alle dasselbe Verdauungssystem, also brauchen sie auch dasselbe Futter!?

Diese Frage lässt sich nicht so pauschal beantworten.

Denn wenn wir uns mit der naturnahen, artgerechten Ernährung unserer Haus- und Nutztiere beschäftigen, kommt auch automatisch das Thema Haltung in die Diskussionsrunde. Die Vorfahren unserer Hauspferde haben sich über Jahrtausende von einem nur fuchsgrossen Waldbewohner zu einem mittelgrossen Steppenbewohner entwickelt. Wildpferde hatten ein

Stockmass von 1.20-1.40 Meter und waren spezialisiert auf das Zurücklegen grosser Strecken in meist ruhigem Tempo. Waren also ständig in Bewegung. Als klassische Fluchttiere waren sie mit entsprechender Muskulatur einem starken Herz und einer leistungsfähigen Lunge ausgestattet, um blitzartig auf schnellstmögliches Tempo zur Flucht umzuschalten. Die Futtergrundlage bildeten Gräser und Kräuter, auch kleine Zweige, Rinde, Laub und bestimmte Sträucher.

Hier lohnt sich Inne zu halten und die heutige Pferdehaltung zu betrachten.

In den letzten Jahren hat sich die Pferdehaltung zum positiven verändert, das Ursprüngliche wird wieder viel mehr beachtet und das Leistungsstarke Tier, auch wenn es im Sport eingesetzt wird, vermehrt auch mit Abwechslungsreichem Alltag beschäftigt. Unter diesem Aspekt haben sich viele Pferdebesitzer dazu entschlossen, seinem Pferdefreund mehr Bewegung einzugestehen und es nicht nur zum Training aus der Boxe zu holen. Viele Pferde werden immer häufiger im Offenstall, im Traumfall im Bewegungs- und Aktivitätsstall gehalten. Aber nicht nur der Stall hat eine grosse Wichtigkeit für eine Artgerechte Pferdehaltung und schlussendlich auch Fütterung, sondern auch die Bewegung. Denn diese ist auch bei Boxenhaltung nicht mehr wegzudenken. Auch mit Boxenhaltung kann man selbstverständlich eine Artgerechte Pferdehaltung handhaben. Das Zauberwort heisst Bewegung. Mehrere Steh-Tage sind für diese Bewegungstiere selbstredend längerfristig Gesundheitsschädigend, sei es auf Psychischer oder Physischer Ebene.


Aber nun wieder zu den wildlebenden Pferden. Diese haben Naturgemäss im Frühling und Sommer ein Überangebot, sodass die Tiere grosse Futtermengen und viele Pflanzenarten zur Auswahl haben – Natur ist Fülle! Als Dauerfresser, deren Verdauungssystem auf kontinuierliche Futterzufuhr ausgelegt ist, suchen sie sich die besten Gräser und Kräuter aus und nehmen in dieser Jahreszeit – auch trotz ihrer regelmässigen Bewegung – an Gewicht zu.

Im Winter ist dieses Überangebot nicht mehr vorhanden und sie müssen ihr Futter suchen, bauen deshalb häufig in dieser Zeit Körpermasse ab.

Auch wenn das Verdauungssystem unserer heutigen Pferde, egal welche Rasse, identisch ist mit dem der wildlebenden Verwandten, ihr Futteranspruch also derselbe ist, so haben unsere Pferde dennoch weitverbreitete Probleme mit der Gesundheit. Von chronischer Lahmheit über Atemwegserkrankungen, Ekzeme und Hautprobleme bis hin zu Rücken- und Bewegungsapparatprobleme.

Statt Spass am Reiten und an der Haltung gesunder Pferde zu haben, zwingt die Entwicklung immer mehr Pferdehalter, sich mit Gesundheitsfragen auseinanderzusetzen.


Kotwasser, Sommerekzem, Hufrehe, Koliken, COPD, EMS und anderen Erkrankungen, die unsere Grossmütter, wenn überhaupt, nur sehr selten zu sehen bekamen, sind heute leider vermehrt. So kommt es nicht umhin die Fütterung genauer zu betrachten und diese ist ein entscheidender Faktor bei der Gesunderhaltung unserer Pferde. Wir haben rekapituliert, dass unsere Pferde wie die Wildpferde, den selben Fütterungsanspruch haben, ihr Verdauungssystem sich nicht verändert hat, die Haltung und das Futterangebot aber schon.

Anstatt Kräuter und Saisonale Gräser, erhalten unsere Pferde von Heucops über Vitaminpellets, Heulagen, fertig Mischfutter in unterschiedlicher Qualität.

Raufutter bildet für alle Pferde die notwendige Futtergrundlage, je nach Leistung muss dieses aber individuell ergänzt und angepasst werden. Denn nicht nur die Haltung sondern auch das Bewegungsangebot hat sich im Laufe der Jahrtausende verändert. Denn Überlastung von Leber oder Niere durch falsche oder zu viele Zusatzprodukte, vor allem in Kombination mit gutgemeinten Medikamentengaben, können zu Krankheiten führen. Dann die fehlende oder falsche Bewegung und der Erkrankungskreislauf beginnt. Falsche Kraftfuttersorten stören die gesunde Darmflora und machen das Pferd anfälliger für Erkrankungen wie Koliken, Kotwasser und andere Verdauungsprobleme.

Wir stellen fest, dass das Thema Pferdefütterung komplex ist und lässt sich absolut nicht pauschalisieren. Jedes Tier muss individuell betrachtet werden und artgerechte Fütterung nicht für jedes Pferd den gleichen Speiseplan beschreibt.

Artgerecht muss also auch leistungsgerecht und der Genetik des Pferdes angepasst werden. Und nicht zu vergessen, dass auch bei unscheinbaren Erkrankungen wie Probleme mit dem Bewegungsapparat, Verspannungen, Fell- und Hautprobleme, ja sogar Atemwegsprobleme, ihre Ursache häufig in ungeeigneten Futtermitteln und Haltung haben.

Abschliessend ist deshalb wichtig zu sagen, es geht niemals um das Ego vom Pferdebesitzer, sondern man sollte schonungslos und auch ehrlich das Pferd betrachten und sein Bedürfnis in den Vordergrund stellen, egal welche Ambitionen man selbst hat.


Quellen: Dr. Christina Fritz, Annette Barz

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